Jagna Pogačnik, Jutarnji list

Lazić’ novel is ‘’a novel about war’’, rather than ‘’a war novel’’; as I see it, this is the first time in the contemporary literature that war isn’t a defining element of the genre, but a multi-faceted starting point. Summer in the City definitely displays Zoran Lazić as an author agile with different styles and an author that isn’t afraid to experiment, this time, with extremely complex narrative structure. Lazić’ novel is ideologically strong and structurally exigent, and as such, deserves every accolade.



Korana Serdarević

Korana Serdarević (Zadar, 1982) graduated in Croatian language and literature and comparative literature from the Faculty of Humanities and Social Sciences in Zagreb. She worked as a journalist in culture for the Večernji list daily and the weekly Forum, among others. Since 2013 she has been working as a high school teacher and part-time English translator.

She won two first prizes for her short stories in 2013 (Ranko Marinković award for her story Kravosas (Four-lined Snake) and Zlatko Tomičić Award for Ptice (Birds)) and also published her prose in all relevant literary magazines and Third Programme of the Croatian Radio. Her first book Nema se što učiniti (Nothing Can Be Done) was published in 2015.

Some of her stories are translated into English, German, Italian, Macedonian, Slovenian and Ukrainian. Her last novel Eksperiment Irene Tot (Irena Tot’s Experiment, 2017) was shortlisted for the prestigious T-portal award.

 
 


Nataša Petrinjak, Zarez

In mixing feigned indifference and emotions that overwhelm him while he dissects the reality surrounding him, Lazić is simply – great.


Ratko Cvetnić-sample translation

Ratko Cvetnić
Half-Asleep (excerpt from a novel in German translation)

Halbschlaf
(...)
Grundsätzlich verachte ich Menschen, die ihre große Notdurft am Arbeitsplatz verrichten. Ich weiß, es handelt sich dabei um kein fundamentales Thema, aber trotzdem... Es wirkt irgendwie, wie ein Unterschieben, die Lagerung persönlicher Abfälleim im gemeinsamen Raum, ähnlich, wie das Bedürfnis, den alten Kühlschrank in den Flussbach zu werfen. Außer, dass ich auf, Ordnung Wert lege, wenn es sich um diesen Teil der Physiologie handelt, ist mir auch an jenem abgerundeten und konsistenten Gefühl der Erleichterung gelegen, das die Trennung vom nutzlosen Überschuss an Köperlichkeit mit sich bringt, sodass ich es zur Gänze in der Diskretion meiner eigenen sanitären Einrichtungen konsumieren möchte. Jene ersten Paar Schritte, die der Mensch macht, nachdem er sein Gedärme entleert hat, sind wahrscheinlich jenem Gefühl am ähnlichsten, das uns ständig verfolgen würde, würden wir Flügel haben.
Aber, seitdem wir unseren Kaffee fürs Büro vom Zigeuner an der Straßenbahnendstation Črnomerec beziehen – oder ist es vielleicht die Folge der üppigen Gabelfrühstücke in der Bierbrauerei – bin ich in diesen hochst ungelegenen Rhythmus hineingeraten, in dem mich bereits einige Tage hintereinander kurz von Dienstschluss eine äußerst diuretische Situation befällt. Da in der Firma Gerüchte laut geworden sind, die Arbeiter aus Žitnjak würden doch gegen ihre Arbeitgeber in Streik treten wollen, ist es nun mit den Herumspazieren in den umliegenden Wirtshäusern und Geschaften vorbei und unser Zimmer ist so gut wie immer voll, was mir zusätzliche Unannehmlichkeiten bereitet, denn die Isolation wurde nicht so angelegt, um jenen zu schützen, der sich auf dem Klo befindet, sondern, sozusagen, um jene zu unterhalten, die sich außerhalb des stillen Örtchens aufhalten. Deshalb habe ich bei jeder Rückkehr aus dem WC ein wenig Angst vor jenen Fragen, die Kindern gestellt werden, sobald sie es sich angewöhnt haben, selbstandig aufs Klo zu gehen. Hast du auch gut gekackt, und so weiter.
Als ich, nachdem ich abgewartet hatte, dass das Rauschen des Wasserkastens gänzlich verstummt, zu unserem Zimmer zurückkehrte und in diesem ohnehin verwundbarem Zustand die Tür öffnete, schien mir, schon anhand der schweren, drückenden Stille, die mich erwartete, ich würde einen Raum betreten, in dem kurz zuvor etwas explodiert war: Alle waren sie auf den Beinen, diese zehn starren, steifgefrorenen Menschen, sodass ich mir einen Augenblick lang selbst als ein verirrter Zeuge vorkam, mitten in einen Zwischenfall geraten, während der Schock noch in vollem Gange war und niemand Zeit hatte, sich zu bewegen. Die Szene, der es offensichtlich an Sinn mangelte, wirkte eher fantastisch, als ominös, aber während ich verwundert auf meinen Schreibtisch zuging, sagte mir etwas in ihren Blicken, ein Moment ungespielter Bestürzung, der mich mitten im Zimmer halt machen ließ, unmissverständlich, der Zwischenfall sei ich selbst. Sogleich blieb ich stehen, umfasste den gesamten Chor mit einem Blick, wandte mich dieser Kette entsetzter Blicke zu, während mich die Angst, sie würden mir nun eine Nachricht mitteilen, ich würde etwas fürchterliches erfahren, mit dem ich mich lieber nicht konfrontieren würde, zur Gänze erfasste und der Boden unter meinen Füßen zu beben begann, als würde er sich öffnen wollen. Dann senkte Frau Dervišbegović, an deren Blick ich mich, wie an meinen letzten Stützpunkt geklammert hielt, den Kopf und winkte ab:
- Leute, Schluss mit dieser Komödie...
Bakulj setzte sich, Karlek sah sich um, zuckte mit den Schultern und verließ den Raum. Ich begann wieder zu atmen, betäubt vom Bild, das sich mir geboten hatte. Noch einmal blickte ich mich um. Einer nach dem anderen hatten sie platzgenommen, alle, außer Janjanin, der mir hinter seinem massiven Katheder tödliche Blicke zuwarf und dazu grimmig und trotzend die Kiefer anspannte.
- Ehre sei ihm - keuchte jemand, nachdem wir uns einige Sekunden lang stumm angesehen hatten und in diesem Augenblick kam es mir in den Sinn, dermaßen heftig, das ich tief aufatmen musste, um die Wucht der Erleichterung überhaupt ertragen zu können. Heute ist ja – o Gott, o Gott – der vierte Mai! Es ist drei Uhr fünf, der Augenblick, der seit Titos Tod in andachtsvoller Angst vor gegenseitigen Denunzierungen in ruhiger Haltung verbracht wird. In Schulen, Kasernen, Bahnhofshallen, in unseren Arbeitskollektiven. In all deiesen Brüderlichkeiten, Freiheiten und Zukünften, die da eine nach der anderen in Konkurs gehen. In den Stadions, ja sogar in den Straßen. Und gerade im Moment, in den der große Vorhang des Tempels gerlichtet wird, spaziere ich umher, die Handflächen noch nass vom Waschbecken im Klo, wie ein zufälliger Tourist der in dieses Post-Tito-Arkadien nur gekommen ist, um zu scheißen.
All das fand ich gleichermaßen komisch, auch eine Stunde später, als ich am Pförtnerhäuschen vorbeiging und meine Karte stanzte. Frau Dervišbegović scheute jedoch die Anstrengung nicht, mir über die Straße nachzulaufen, um mich schließlich einzuholen.
- Hören Sie, mann konte ja sehen, es war Ihnen nicht egal, aber jemand musste es tun, es war ja hochste Zeit.
Ich wolte sie von nichts überzeugen. Beinahe eine Stunde lang versuchte ich, mich daran zu erinnern, wo ich vergangenes Jahr zu diesem Zeitpunkt gewesen bin, finde aber keine Spur von Erinnerung, als würde ich jenen Tag und alle Zeit, die seither verstrichen ist, durch ein umgedrehtes Fernglas betrachten, in dem sich alle Erinnerung schließlich in ein bedeutungsloses Nichts verwandelt.
- Liebe Frau, was soll ich Ihnen sagen: ich ging auf die Toilette und als ich mich gerade auf dem Rückweg befand... Es war mir überhaupt nicht eingefallen.
- Nattürlich, nattürlich – sagte sie mit erster Stimme. Dann drehte sie sich nach links und nach rechts und fügte leise hinzu: - Trotzdem, alle Achtung.
Am Freitag wurde schon über die Einstellung der Arbeit gemunkelt, laut wurde es in den Büros allerdings erst am Montag, als die Arbeiter aus Žitnjak in ihren blauen Arbeitsanzügen bereits in unseren Hof einmarschiert waren. Karlek kam es in seinem nie zu ende gedachten, halbwegs entwickelten Opportunismus vor, dies sei die Gelengheit, um durch eine effektvoll vorgetragene Arie aufzufallen: „Denn wir sind ja gezwungen, unsere Arbeit zu prostituieren“, rief er den erschrockenen Mädchen aus der Buchhaltung zu, die, sobald sie dieses schwere Wort vernommen hatten, ihre Röcke weit über ihre Knie zogen. Es war mir aber nicht klar, wer das alles organisiert hatte, ob die Entscheidung, man würde in Streik treten, auf Krk gefallen war, wie im Flur geflüstert wurde, ob sich die ganze Sache nicht seit längerem in Vorbereitung befand, oder hatte die Menschen, gemäß einer Phrase, die hier oft wiederholt wurde, tätsachlich genug?
Ich stand am Ende der übervollen Servicehalle, wo der Dampf schon an den Wänden hinabrann. In den Ansprachen, die von den Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses seit der Mittagspause vor den schaumenden Arbeitern gehalten wurden, wurde so gut wie dieselbe Themenordnung wiederholt: Lob für die Forderung nach einer friedlichen Lösung, Betonung des gemeinsamen Schicksals, makroökonomische Statistik, Bestehen auf Geduld, vorausgesetzt, die Zukunft würde eintreffen und eine glückliche sein. Dann wieder eine Reihe öokonomischer Indikatoren, die gezielte Dynamik der Geschäftsführung im Licht der Blockade des „östlichen Markts“, und schließlich wieder eine Reihe Schicksal. Das waren alles routinierte alte Hasen aus verschiedenen Foren, die ihr Handwerk in Komitees gelernt hatten, und die wussten, dass die Erschöpfung des Gegners den halben Erfolg bedeutet. Dennoch war es interessant, zuzuhören, wie aus ihrer Argumentation das klassiche Parteivokabular verloren geht, jene Anrufungen eines höheren ideologischen Sinns, die ich mir seit den ersten stümperhaften Reden unserer Pionierführer in der Grundschule in der Krajiška-Straße anhören musste. Ich verstand die Verachtung, die alle, von Petranjek bis zu diesem dicken Wirtschaftsfachmann, dem jakobinischen Pöbel in ihren blauen Kutten gegenüber empfanden, auch ein gewisses Unbehagen, warum gerade sie in die Lage geraten waren, vor diesen Menschen, die von alldem sowieso nichts verstanden, wenn auch rein theatralisch, Reschenschaft abzulegen. Denn in diesem Arbeitergejohle war kein besonderes System zu erkennen, und je länger ich zuhörte, wurde mir klarer, der Aufruhr sei tatsächlich ein spontaner gewesen und habe dem zufolge keine Aussichten auf Erfolg. Ein Arbeiter aus dem Betrieb hatte endlich das Rednerpult ergriffen und von „seinem Ungluck“ und den Gemeinplätzen der Armut zu reden begonnen: er würde auf seine Pensionierung warten, seine Frau sei krank; und jetzt frage ich euch, Genossen, wo sind mein Geld und die dreißig Jahre, die ich in dieser Firma verbracht habe?
Der Applaus, der seine letzten Worte übertönt hatte, überzeugte mich zuzätzlich, dass ich mich in einem billigen Theater befand. An einem Ort, den Menschen von Zeit zu Zeit besuchen, nur, um zu vergessen, was sie tatsächlich bedrückt. In den siebziger Jahren machte auf den jugoslawischen Bühnen der satirische Einakter „Ist es denn möglich, Genossen, dass wir alle Ochsen sind?“ die Runde, mit dem auch die Legende ëinher ging, es handle sich um ein kaum überarbeitetes Protokoll einer tatsächlich stattgefundenen Parteisitzung. Das war die Kunst der mittleren, des allermittelsten Klassen, für satirische Theater mit gewerkschaftlichem Kartenverkauf und jenen famosen Naden, auf die sich die staatlichen Satiriker so gerne beriefen, um ihr kolaborationistisches Gewerbe einigermaßen zu vertuschen.
- Wir alle haben unsere Schiksale – nickte Petanjekihm zu – aber ich bitte Sie, konzentrieren wir uns doch auf die wesentlichen Fragen.
Ich musste lachen. Niemand von denen, die heute hier sind, wird jemals eine wesentlichere Frage kennen lernen, als jene seines Schiksals. Karlek sah mich mürrisch an. Ja, du Affe, ich lache auch in deinem Namen.
Als der Gewerkschaftsvorsitzende, der pockennarbige, unansehnliche Zagorec, in den vorangegangenen Ansprachen als „Referent fur Schweinehälften“ apostrophiert (auch diese Formel enstammt jenem klaglichen Satyrikon) das Rednerpult betrat, war klar, dass er sich für seine Partei in diesem Krieg entschieden hatte. Aber der Gewerkschaftgenosse hatte nicht nur die Farben der Garderobe durcheinandergebracht, was ihm die Kriterien jener, denen er hatte angehören wollen, niemals verzeihen hätten, sondern hatte sich, was weit schlimmer war, auch noch in der Dramaturgie geirrt und begann mit Schelten.
- Gennosen Arbeiter, hier wurde, das muss ich sagen, sehr anstandslos über die Gewerkschaft diskutiert...
Dieser arme Tropf in seinem grün-graunen Anzug mit der roten Krawatte wurde sogleich ausgepfiffen und verschwand nach einem letzten Blick auf die mandarinhaften Physiognomien im geschäftsfuhrenden Ausschuss von der Bühne. Dann war wieder nur Lärm zu hören, bis über unseren Köpfen nicht das Kreischen einer zahnlosen Arbeiterin ertönte, die ich manchmal nach Arbeitsschluss in der Straßenbahn schlafen gesehen hatte und die, heftig mit dem Kopf schüttelnd, als würde sie die Last ihrer Affektiertheit selbst nicht ertragen können, ultimativ verlangte, ihre Frage möge der Genosse Direktor höchstpersönlich beantworten. Obwohl sie die Frage einfach nicht formulieren konnte (sie schien angetrunken) ließ er nicht zu, dass sie unterbrochen wird. In Petanjeks Bereitschaft, zuzuhören, war, jedoch, nicht die Spur von Ungeduld zu erkennen. Der frühe Fall des Gewerkschaftsvorsitzenden hatte ihn gar nicht aus der Ruhe versetzt. Formal gesehen, war er ja gar nicht in seiner Eigenschaft als Parteisekretär anwesend, sondern nur als Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses, obwohl allen klar war, dass ihm seiner Mitspieler nicht bis an die Knie reichten. Der Genosse Direktor ist nicht da, weil er einer wichtigen Besprechung in der Wirtschaftskammer beiwohnen muss, wo über das Schicksal unseres gesamten Produktionszweigs bestimmt wird, über Zehntausende von Menschen, Hunderttausende, wenn man die Familien dazuzahlt, aber, wenn die Genossin nichts dagegen hat...
Ich brauchte nicht lange, um festzustellen, dass mir das alles recht bald langweilig werden wird. Außerdem hate ich seit dem Morgen nicht gegessen. Ich versuchte, diskret die Tür zu erreichen, Karlek hielt mich aber theatralisch am Oberarm fest.
- Dich interessiert das nicht mehr?
Eigentlich war er sehr oberflächlich. Laut, aber ohne richtiges demagogisches Talent. Bei der kleinen Bühne, die wir gleich am Halleneingang erofnett hatten, wartete ich in aller Ruhe ab, dass sein Druck nachlässt.
- Mich interessiert nuer eines: Wer ist der Eigentumer von Dioda. Und das kann mir niemand sagen. Natürlich war das nicht die Antwort, die er sich gewunscht hatte. Er hielt inne und suchte unter den Zuschauern nach Hilfe.
- Das hat der Man gut gesagt – nickte ein älterer Arbeiter. Einige Menschen hinter ihm lachten befürwortend. Plötzlich regte sich in einer dunklen Ecke ein Riese aus Žitnjak, ein schweigsamer Statist, der unbeweglich wie eine Statue bis dahin auf einer Kiste an der Tür gestanden war. Er sprang so flink von seinem Sockel herunter, wie ich es von so einem korpulenten Typen nie erwartet hätte, packte mich an den Schultern und drehte mich zur Geschäftsführung hin, als wirde er seinen Transportkarren durch den Betrieb schieben.
- Auch wir haben eine Frage – rief er mit dumpfer Stimme Petanjek zu und klopfte mir mit der Handflache heftig auf die Schulter.
Ich wusste nicht mehr wohin. Im Griff dieser Gromade, die nach Schweiß und Maschinenöl roch, musste ich zunachst einmal Luft bekommen. Ich hatte das Gefühl, der Haufen würde auseinanderrücken, um unsere Frage in vollem Format vorzulassen.
- Ich bin neu in der Firma und verfüge noch nicht uber alle Informationen. Eines würde ich gerne fragen: Wer ist der Eigentümer von Dioda?
- Wie meinen Sie das? – fragte Petanjek zuruck und ich erblickte zum ersten Mal in seinen Augen Spuren von Verlegenheit. Oder wollte er durch diese Verlengheit nur eine weit direktere Botschaft vertuschen, die ihm auch gegen seinen Willen herausrutschte: ein ironisches „guten Morgen“, ans Publikum als Ganzes gerichtet.
- Genauso. Sagen wir, der Eigentümer der Schuhe, in denen ich hier stehe, bin ich. Und wer ist der Eigentümer von Dioda?
Zwei-drei Sekunden lang herrschte Stille, dann wurde – genau im Augenblick, in dem sich Petanjek an die übrigen Ausschussmitglieder wandte und mit den Achseln zuckte, als würde er nicht verstehen, um was es überhaupt ging – wurde das Gejohle noch lauter als zuvor. Es schien, als habe die Frage nach dem Eigentum die Situation von der improvisierten Bühne zusätzlich verschärft, auf der die Vertreter der Klassenavantgarde ihre Arme ausbreiteten, um die Leute zum Schweigen zu bringen. Unglaublich, wie leicht es doch ist, die Außenseiter auf seine Seite zu bekommen; es genügt, sie irgendwie zu überzeugen, sie hätten alles durchschaut und niemand könne sie mehr zum Narren halten. Jener, der ihnen in einer derartigen Situation auch noch einen konkreten Fang vor Augen zu führen versteht, wird sie leicht anfuhren können. Zum Beispiel, im Sturm auf die Winterresidenz.
Nun gab es in der Servicehalle keinen anderen Inhalt mehr, als bloßen Lärm und Wutäußerungen, die sich sporadisch noch immer in angemessenere Protestformen oder zumindest eine Art Demonstration von Einheit im Geföhl der Ungerechtigkeit zu verwandeln suchten. Niemand hielt mich mehr an den Schultern fest, keine Antwort hatte ich mehr nöttig, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, ging ich an Boženas bewunderungsvollem Blick vorbei und war schon bald im Hof. Hundert Schritte weiter befand ich mich bereits auf der Sonnenseite der Ilica, ging Richtung Bierbrauerei, mit dem Wunsch, so bald wie möglich zu duschen und alles durchzulüften, was ich anhabe, inklusive Schuhe.
Tatsätchlich hatte ich in Erfahrung gebracht, was mich interessierte: nur diejenigen werden überleben, die sich selbst der Sach annehmen. Ich glaube, in einem solchen Augenblick ist nicht einmal das Geld, über das jemand verfügt oder nicht verfügt, so maßgebend wie die Wichtigkeit, zu warten, nicht zu glauben, die Zukunft würde such aus der gezielten Dynamik der Geschäftsführung ergeben, so wie es dieser Pöbel in seinen blauen Kutten glaubt, denn das ist der deinzige Glaube, der ihnen noch übriggeblieben ist. Schon jetzt sind sie ohne jegliche Waffen, nackt und ungeschickt wie Schnecken, und was bringt ihnen erst die Zukunft?
(...)

Übenetzung ins Deutsche: Boris Perić
 


Korana Serdarević-works/transl

MAIN WORKS

Nothing Can Be Done (Nema se što učiniti, Fraktura, 2015), short story collection
Irena Tot’s Experiment (Eksperiment Irene Tot, Fraktura, 2017), novel
Stone Giant (Kameni div, Kašmir promet, 2018), illustrated children’s book 
The Lizard's Tail (Gušterov rep, Fraktura, 2020), short story collection
A Room for Girls (Soba za djevojčice, Fraktura, 2024) novel


TRANSLATIONS*

*Some of her stories have been translated into English, German, Italian, Macedonian, Slovenian and Ukrainian.

 

 


Asja Bakić

Asja Bakić (Tuzla, 1982), graduated from the University of Tuzla with a degree in Bosnian language and literature. Her debut poetry collection, Može i kaktus, samo neka bode (It Can Be a Cactus, as Long as it Stings, 2009) was nominated for the Kiklop Literary Award in 2010. Mars (Mars, 2015), her first short story collection was shortlisted for the Edo Budiša Award for young writers and published in the USA by Feminist Press. In 2020 she published another short story collection Sweetlust (Sladostrašće, 2020) and Dođi, sjest ću ti na lice (Come Over, I’ll Sit on Your Face), a compilation of essays from Muf, a portal dedicated to a feminist reading of popular culture, where she was one of the core editors and authors.

Bakić was selected as one of Literary Europe Live’s New Voices in 2017. She has translated Emily Dickinson, Alejandra Pizarnik, Elizabeth Bishop, Emil Cioran, Jacques Rancière, and other prominent authors into Croatian, while her own poems and stories have been translated into English, Polish, Czech, Macedonian, Slovenian, Romanian and Swedish.

She currently lives and works in Zagreb.


BorisD-works/transl

MAIN WORKS

Greatest Shits – An Anthology of Contemporary Croatian Stupidity (Greatest Shits – Antologija suvremene hrvatske gluposti, Feral Tribune, 1999), co-author with Predrag Lucić and Viktor Ivančić
Christkind (Christkind, Durieux, 2008), novel
Who Gives a Fuck About a Thousand Dinars Now (Jebo sad hiljadu dinara, Europapress holding, 2005), novel
Songs from Lora (Pjesme iz Lore, Durieux, 2005), poetry
The Führer’s Bacillus (Poglavnikova bakterija, V.B.Z., 2007), short stories
A Deal with the Devil (Ugovor s đavlom, V.B.Z., 2008), column and essay collection
Red and Black (Crveno i crno, V.B.Z., 2010), column and essay collection
Crime and Punishment (Zločin i kazna, V.B.Z., 2010), column and essay collection
Diego Armando and the Seven Dwarves (Diego Armando i sedam patuljaka, EPH Media, 2011), essays
War and Peace (Rat i mir, V.B.Z., 2012), columns
Searching for the Lost Time (U potrazi za izgubljenim vremenom, 2013), columns
Eighties! Sweet Decadence of the Postmodern (Osamdesete! Slatka dekadencija postmoderne, Hrvatsko društvo likovnih umjetnika : DIPK, 2015), co-author, non-fiction
Conversations with Smoje (Razgovori sa Smojom, Adamić, 2015), interviews
Summa atheologiae (Summa atheologiae, Ex libris, 2018), essays


TRANSLATIONS

Christkind: Italy (Libri Scheiwiller), Slovenia (V.B.Z.)
Who Gives a Fuck About a Thousand Dinars Now: Serbia (V.B.Z.), Ukraine (Helicon)
Songs from Lora: Austria (Drava Verlag)
Searching for the Lost Time: Macedonia (Tabahon)
The Hundred Year’s War: Modern War Poems (co-author): UK (Bloodaxe)

 

 



Asja Bakić-works/transl

MAIN WORKS

It Can Be a Cactus, as Long as it Stings (Može i kaktus, samo neka bode, Aora, 2009), short story collection 
Mars (Mars, Sandorf, 2015), short story collection
Sweetlust (Sladostrašće, Sandorf, 2020), short story collection
Come Over, I’ll Sit on Your Face (Dođi, sjest ću ti na lice, Fraktura, 2020), essays


TRANSLATIONS

Mars: English (Feminist Press, New York)

 

 


Main works/Translations
Sample translation
Links
Contacts